Zum 6. Mal findet im Juni in der Lutherstadt Wittenberg (UNESCO-Weltkulturerbe) die Tagung Ev. Krankenhäuser statt – dieses Jahr unter dem Themenkomplex „Schnittstellenproblematik in Medizin und Verwaltung“. Mit Jungem Forum, Preisverleihung für die besten Präsentationen – interdisziplinäre Veranstaltung.
Leitung
Prof. Dr. Helmut Zühlke
Paul-Gerhardt-Stiftung – Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie/Phlebologie
Paul-Gerhardt-Str.42
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tagungsort
LEUCOREA (Alte Universität Wittenberg, Collegienstr.62, 06886 Wittenberg
Anmeldung
Online via Homepage www.wittenbergerkonferenz.de oder direkt über MCE – Medical Congresses & Events e.K. / Gabriele Sponholz gs(at)mce.info.
Einladung
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste,
zum nunmehr 6. Mal möchten wir Sie im Juni 2010 in der Lutherstadt Wittenberg zur Konferenz Evangelischer Krankenhäuser Deutschlands begrüßen.
Die bewährte Konzeption mit vier Modulen wurde aufgrund der allgemeinen Akzeptanz und der gesammelten Erfahrungen beibehalten. So startet die Konferenz wie gewohnt am Donnerstag Nachmittag mit dem „Jungen Forum“. Dazu wurden Vorträge von Assistenzärztinnen und –ärzten vor Abschluss der Facharztweiterbildung aus allen Bereichen der Medizin ausgewählt. Das Spektrum und die wissenschaftlichen Inhalte zeigen erneut, dass der medizinische Nachwuchs neben der täglichen, anspruchsvollen, ärztlichen Tätigkeit auch an der Darstellung seiner Arbeit und an der Beantwortung wissenschaftlicher Fragestellungen sehr engagiert mitarbeitet.
Die besten Beiträge mit einer herausragenden klinisch-wissenschaftlichen Leistung sowie ansprechender rhetorisch-optischer Präsentation werden wiederum prämiert.
Die Versorgung kranker Menschen mit Gesundheitsleistungen wird neben einer humanitären immer mehr eine wirtschaftliche Frage. Alles läuft auf eine „Industrialisierung“ des Gesundheitswesens hinaus. Jedoch lässt sich die kritiklose Übernahme von den für die Industrie entwickelten wirtschaftlichen und ökonomischen Prinzipien nicht problemlos auf die Strukturen und den Arbeitsablauf in Krankenhäusern übertragen.
Basierend auf der im deutschsprachigen Raum bekannten „MIT“-Studie, die aufzeigt wie die Produktion in der Autoindustrie zu optimieren sei, erhält diese „Produktions-Philosophie“ heutzutage unaufhaltsam und unkritisch hinterfragt Einzug in die Krankenversorgung.
Man versteht darunter eine Unternehmensphilosophie des (bis ins Kleinste gehenden) Weglassens aller überflüssigen Arbeitsgänge in der Produktion und in der Verwaltung durch eine intelligentere Organisation. Sie stützt sich auf innovative Veränderungen der Wertschöpfungskette und der sie begleitenden Akteure (wie Kunden, Lieferanten, Gewerkschaften, Kapitalgeber) und auf ein partnerschaftliches Selbstverständnis von führenden und ausführenden Akteuren (Mitarbeitermanagement). Diese Unternehmensphilosophie trägt auch den Namen „Lean-production“.
Es ist nicht zu leugnen, dass die Übernahme der „Lean-production“ auch in dem Ablauf von Krankenhäusern als sogenannte „Lean-healthcare“ zu mehr Ökonomie und Effizienz führen könnte. Selbst wenn der Faktor Mensch vernachlässigt wird, zeigen die Ergebnisse in der Industrie, dass es eine „Null-Fehler-Medizin“ nicht gibt- noch geben wird. Der Patient in seiner psychischen und physischen Individualität und auch sein behandelnder Arzt und erst recht sein Chirurg lassen sich nicht in ein kontrolliertes verschlankendes auf Fehler vermeidendes „Null-Fehler-System“ pressen.
So wie das System in der Autoindustrie, wie die jüngste Vergangenheit zeigt, sichtlich versagte, so lässt sich auch heute schon in der Medizin erahnen, das der Zenit der maximalen „Produktivität“ bereits überschritten ist, weil diese Philosophie selbst auf die Ökonomie reduziert wird und somit insbesondere das partnerschaftliche Selbstverständnis der Akteure nicht mehr in dem ihm gebührenden Maße zum tragen kommt.
Die Produktion des Menschen ist weitestgehend mit der Geburt abgeschlossen. Die Fürsorge für ein Auto beginnt mit dem Streben nach Erhalt, und genau an diesem Punkt beginnt der Prozess beim Auto wie beim Menschen unwirtschaftlich zu werden. Das Auto wird verschrottet und ersetzt.
Der alte und kranke Mensch hat nach christlicher, ethisch-moralischer Vorstellung jedoch weiterhin die volle Liebe des Nächsten und die Sorgfaltspflicht des Arztes zu erfahren.
Der Freitag Vormittag ist dieser Problematik gewidmet. Die Diskussion um Prozesssteuerung in der perioperativen Medizin wird in Zukunft eine erhebliche, in ihrer Tragweite noch nicht abzuschätzende Rolle spielen.
Der Nachmittag ist der Onkologie und Viszeralchirurgie vorbehalten. Hier wird vor allem aufgrund der rasanten Entwicklung und der Erfolge die onkochirurgische Chemotherapie thematische Akzente setzen. Die gastro-viscerochirurgisch-onkologische Zusammenarbeit wird sich weiter entwickeln und die Erfolge der Chemotherapie und der monoklonale Antikörper und Targets werden perspektivisch das Berufsbild des Chirurgen dramatisch verändern.
Die Gefäßchirurgie am Samstag wird sich wieder mit ausgewählten Themen der konventionellen- offenen und interventionellen Gefäßmedizin beschäftigen. Die vielfältigen Therapieoptionen, vor allem auch die transluminalen interventionellen Techniken und Ergebnisse, interessieren nicht nur den Kliniker sondern auch den Angiologen, Kardiologen und niedergelassenen Praktiker.
Die Konferenz soll den aktuellen Stand der modernen gefäßmedizinischen Wissenschaft und Forschung auf hohem Niveau vermitteln.
Wir freuen uns, liebe Gäste, 7 Jahre vor dem 500. Jahr des Thesenanschlags von Dr. Martin Luther sie erneut in Wittenberg begrüßen zu dürfen. Die UNESCO-Denkmäler der Reformation und die Wörlitzer Parklandschaft alleine sind ein Besuch wert, den man gut mit Weiter- und Fortbildung verbinden kann. Wir heißen Sie herzlich willkommen.
Prof. Dr. med. H. Zühlke
