In memoriam Prof. Dr. Robert Arnulf Wahl
Am 24.11.2010 ist Prof. Dr. Robert A. Wahl, ehemaliger Chefarzt der Chirurgischen Klinik des traditionsreichen Bürgerhospitals in Frankfurt/Main nach langer mit respektgebietender Haltung erduldeter Krankheit für immer von uns gegangen.
Geboren am 25. Juni 1943 in Stuttgart und letztlich aufgewachsen in Augsburg wurden dortige Jahre der humanistischen Gymnasialbildung bei den Benediktinern zu St. Stephan ausschlaggebend und persönlichkeitsbildend.
Nach Medizinstudium in München und Hamburg 1962 – 68 und Ableistung der Pflichtassistentenzeit bis zur Approbation 1970 trat er, maßgeblich stimuliert. durch einen vorbildhaften chirurgischen Onkel – in die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg unter Prof. Dr. Dr. mult.h.c. Fritz Linder als wissenschaftlicher Weiterbildungsassistent ein. Die Anerkennung als Facharzt für Chirurgie erfolgte 1976, der Erwerb der Zusatzqualifikationen für die Teilgebiete Unfall- und Gefäßchirurgie folgten 1977 und 1980.
Die frühzeitige schwerpunktmäßige, zielstrebige Ausrichtung auf das klinische und wissenschaftliche Arbeitsfeld der Endokrinen Chirurgie mündete erfolgreich ein in die Habilitation 1979 und Ernennung zum Privatdozenten 1980.
Ab Februar 1980 wechselte Robert Wahl in Fortsetzung früherer mehrjähriger Zusammenarbeit an der Heidelberger Klinik an die, mit Lehrstuhl und Klinikleitung neu von Prof. Dr. H. D. Röher übernommene Chirurgische Klinik der Phillips- Universität Harburg in leitender Oberarztvertretung für die Allgemein- und Viszeralchirurgie und mit besonderer Zielsetzung einer wissenschaftlichen Schwerpunktgestaltung der „Endokrinen Chirurgie“ u. a. mit Vorbereitung und Gründung eines SFB „Tumor und Endokrinium“. Im März 1985 erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor.
Zum Mai 1985 übernahm Robert Wahl die Chefarztposition der Chirurgischen Klinik am Bürgerhospital Frankfurt/Main die er mit Vertretung breiter Viszeralchirurgie (Anerkennung 1995) und gleichzeitig eines Referenzzentrums für Endokrine Chirurgie des Rhein-Main-Gebietes bis zu seinem Ausscheiden 2008 inne hatte. Als Vertreter eines akademischen Lehrkrankenhauses engagierte er sich mit Hingabe und nimmermüdem persönlichen Einsatz in der studentischen Lehre am Krankenbett. Mit unentwegter Klinischer und Versorgungs-Forschung betreute er bis zum erfolgreichen Abschluss 30 Doktoranten während der Frankfurter Jahre. Eine Facharztweiterbildung erhielten unter seiner Leitung 12 Kollegen, von denen 2 schließlich eine Chefarztstelle einnahmen. (einer in seiner direkten Nachfolge!).
Prof. Wahl fühlte sich während des gesamten Berufslebens einer sich fortlaufend entwickelnden und erneuernden wissenschaftlichen Medizin verpflichtet. Er pflegte eine äußerst aktive Mitgliedschaft in Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, in ihrer Sektion Chirurgische Forschung und der Arbeitsgemeinschaft Endokrine Chirurgie, deren Mitbegründer er als Schriftführer und Ausrichter des ersten Symposiums 1981 war, - International Association of Endocrine Surgeons, - Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie mit ihren Sektionen „Schilddrüse“ und „angewandte Endokrinologie“.
Robert Wahl war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, der eine Kennzeichnung und umfassender Beschreibung kaum gerecht werden kann. Er war ein kritischer Geist von hoher Intelligenz mit vielgestaltiger unruhiger kultureller Neugier, aber auch handfestem Erlebnisdrang (Skiwandern in den Abruzzen, Stierkampf-Feria in Pamplona) – in einer durchaus „Barock“ zu nennende Persönlichkeit gepaart mit Disziplin und verantwortlichem Pflichtbewusstsein. Er war ein hingebungsvoller Arzt, ein verlässlicher Kollege, ein unerschütterlich treuer Freund. Wir vermissen ihn und trauern mit seiner verehrten Frau Heidi und Tochter und Sohn.
P. E. Goretzki
D. Branscheid
H. D. Röher
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